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Göttinnen und Götter

Die Göttinnen und Götter der Germanen

geschrieben von Sven für den Yggdrasil-Kreis e.V.
 

Die Germanen hatten eine Vielzahl von Göttinnen und Göttern. Diese können wir heute anhand der Namen erschließen, dabei werden in diesem Artikel unterschiedliche Namen der Götter genannt. Sprachstämme die in diesem Artikel verwendet werden, sind abgekürzt worden, die altnordischen mit (an.), die angelsächsischen mit (ae.), die althochdeutschen mit (ahd.), die altsächsischen mit (as.), die gotischen mit (got.) und die altisländsichen mit (ais.).

 

ODIN und FRIGG

OdinOdin (südgermanisch Wodan, an. Óðinn; as. Wōden; altsächsisch Uuoden; ahd. Wuotan,; gemeingermanisch Wôðanaz) wird in der nordischen Mythologie und Religion als Hauptgott betrachtet. Seine Gattin ist die Göttin Frigg (ahd. Frîja; langobardisch Frea).

Er ist der Sohn der Riesen Bor und Bestla und seine Brüder sind Villi und Vé, mit denen er zusammen das erste Menschenpaar geschaffen hat. Odin ist der Vater von Thor (mit Geliebter Hjörd/Jörd) und Widar (mit Geliebter Grydur/Gridr). Mit seiner Gattin Frigg hat er die Kinder Balder, Hödur und Hermodur.

Der Gott des Krieges ist zudem auch der Totengott und der Sturmgott. Zuständig ist Odin für Gesang, Poesie, Weisheit, Wanderschaft und Schutz was sich aus den Geschichten in der Edda ableiten. So trägt er auch Beinamen wie „grauer Wanderer“, „Einäugiger“, „Göttervater“, „Allvater“ oder „Anführer der wilden Jagd“. So bezieht sich zum Beispiel der letzte der Beinamen auf seine Funktion als Sturmgott. Wenn die Wolken über den Himmel ziehen und Sturm herrscht, zieht Odin mit seinem Heer durch die Lüfte. Wir in Midgard nehmen dies dann als Sturm wahr. Noch heute wird Sturm in manchen Regionen als wilde Jagd bezeichnet. Dies verweist natürlich auf die tiefe Verwurzelung der germanischen Götter und des Glaubens hin, wird jedoch oft nicht bewusst als solche wahrgenommen.

Odin hat die Runen ersonnen als er am Weltenbaum Yggdrasil hing, daher auch seine Zuständigkeit für die Runenmagie. Diese Begebenheit kann man im Runenlied des Hávamál nachlesen.  Der Zuständigkeitsbereich der Weisheit lässt sich aus der Geschichte, wo Odin sein Auge hergab, um einen Schluck aus Mimirs Brunnen zu trinken, um seherische Fähigkeiten zu erlangen, ableiten.

Er thront auf seinem Sitz in Walhalla, einer großen, mit goldenen Schilden gedeckten und von Speeren gestützten Halle in Gladsheim. In Walhalla sitzen die Einherier zusammen und kämpfen jeden Tag aufs Neue gegeneinander um des Abends wieder von den Toten zu erwachen und  zusammen zu sitzen um sich den Geschichten der Schlacht und des Trinkens hinzugeben. Odin lässt sich jeden Tag von seinen Raben Hugin und Munin die Neuigkeiten aus der Welt erzählen. Weiterhin hat er zwei Wölfe die Geri und Freki genannt werden. Ein weiterer weiser Ratgeber Odins ist der Kopf des Riesen Mimir, welcher durch Zauberkräfte am Leben gehalten wird und den Odin jederzeit um Rat fragen kann.  Frigg, die Gattin Odins und Hochgöttin der Asen, steht ihm mit ihrem Rat auch zur Seite.

 

FriggFrigg  die Tochter von Fjörgynn und Schwester von Fulla ist die Göttin der Fruchtbarkeit, der Liebe und auch die Muttergöttin. Sie ist Schutzgöttin des Lebens und der Ehe. Ihr Wohnsitz in Asgard wird als Fensal bezeichnet, was wohl übersetzt soviel wie Sumpfsaal bedeutet.

Odin reitet ein achtbeiniges Pferd namens Sleipnir, von welchem Loki der Vater ist. Zudem trägt er den Speer Gungnir welcher nie sein Ziel verfehlt und immer in die Hand seines Besitzers zurück kehrt. Dieser Speer wurde von Zwergen, den Söhnen Ivaldis hergestellt und war ein Geschenk an Odin.  Odin warf diesen Speer in das Heer der Wanen und brachte somit den Welten den ersten großen Krieg.

Beim Ragnarök wird Odin mit dem Fenriswolf oder Fenrir, welcher ebenfalls ein Kind Lokis ist, kämpfen. Er wird diesen Kampf verlieren und der Wolf tötet Odin bei der Götterdämmerung.

Noch heute gibt es, wie vorhin schon bei der tiefen Verwurzelung des germanischen Glaubens und der Religion in unserer Gesellschaft angedeutet, wichtige Zusammenhänge mit Wochentagen. So ist der Mittwoch der Tag den man Odin zuordnen kann. Im altenglischen wird Odin Wōden genannt, was auch Zusammenhänge mit dem englischen Wort für Mittwoch, Wednesday oder im niederländischen auf Woensdag, schliessen lässt. Obwohl man den Namen seiner Gattin Frigg oder Frigga gelegentlich mit Freya in Verbindung bringen will, lässt sich kein Wochentag eindeutig Frigg zuordnen.

 

TYR

TyrDer einhändige Gott Tyr (gg. Tiwaz; ae.Tig; ahd. Ziu, Tiu oder Zio,  as. Tiw; ais. Týr) ist der Himmelsgott und der Kriegsgott. Zugleich ist er Oberbefehlshaber der Einherier, der Streitmacht Odins und somit Heerführer in Asgard. Als Schutzgott des Things ist er auch verantwortlich für die Justiz und die Gerechtigkeit.

Da bei den Thingversammlungen Frieden gewahrt werden sollte ist er auch der Friedensgott. Dies scheint nun zunächst im Widerspruch zum Kriegsgott zu stehen, jedoch ist bei solchen Versammlungen auch oft die Entscheidung zum Krieg für den „Frieden“ gefallen. 

Als Sohn des Riesen Hymir und einer ungenannten Gattin hat er nur eine Hand. Nachdem Hel und die Midgardschlange verbannt worden waren gab es noch den dritten Sprössling von Loki, den Fenriswolf. Tyr war der einzige Gott der sich traute den Wolf zu füttern und da die anderen Götter entschieden hatten den Wolf zu fesseln, sollte Tyr ihn dazu überreden seine Kräfte mit den Fesseln zu messen.

Die Götter hatten Gleipnir, eine besondere Fessel herstellen lassen. Der Wolf ließ sich allerdings nur dazu überreden seine Kräfte mit der Fessel zu messen, wenn Tyr seine Hand in seinen Rachen legte, solange er gefesselt war. Nachdem der Wolf begriffen hatte, dass er Gleipnir nicht zerreißen konnte, biss er Tyr die Hand ab.

Am Tage des Ragnarök wird Tyr gegen den Hund von Hel, Garm kämpfen. Garm wird ihn töten, jedoch an den Wunden, die er von Tyr erhalten hat, verbluten und ebenso sterben.

Das Zeichen von Tyr ist das Schwert und auch der Pfeil. Beide finden sich als Symbol in der Tiwaz Rune, Tyrs Rune, wieder. Der Wochentag Dienstag geht auf Tyr zurück, so gibt es im englischen den Tuesday (ae. Tiu), im alemannischen den Ziestag (ahd. Ziu) und im französischen den Mardi. Mardi geht auf die Gleichsetzung von Tyr mit dem Gott Mars zurück, Dienstag wurde im römischen mit „dies Marti“  benannt.

 

THOR und SIF

ThorThor (ahd. Donar; as. Thunaer; an. Þórr; ae. Þunor) ist der Schutzgott der Menschen und damit auch der Schutzgott der Menschen vor den Riesen. Er ist zudem der Gott des Donners (Donar), des Gewitters und somit auch ein Fruchtbarkeitsgott, da Regen und Gewitter bzw. Donner eng mit einander verbunden sind und den Pflanzen Wasser schenken, welches sie zum Gedeihen brauchen.

Er ist der Sohn von Odin und  Hjörd und Stiefvater von Uller. Mit seiner Geliebten, der Jotenjungfrau Jarnsaxa hat er zwei Söhne Magni und Modi. Zusammen mit seiner Gattin Sif wohnt Thor in Thrudvangr in der Halle Bilskimir.

Sein Wagen, mit dem Thor über den Himmel braust, wird von zwei Ziegen gezogen. Diese Ziegen (Tanngnöstr, was soviel bedeutet wie Zähneknisterer und Tanngrisnir, was soviel wie Zähneknischer bedeutet) haben die Eigenschaft dass, wenn man sie schlachtet, isst und danach die Knochen in ihre Häute packt, sie wieder zum Leben erwachen. Sein Hammer Mjölnir, welcher in Schwarzalbheim von Sindri und Brokk geschmiedet wurden, verdankt er Loki. Weiterhin hat Thor einen Kraftgürtel und eiserne Krafthandschuhe, welche ihm Riesenkräfte verleihen, die er im Kampf gegen die Riesen, die von ihm auch „Trolle“ genannt werden, einsetzt.

 

SifSif, die Vegetationsgöttin und Schutzgöttin der Verwandschaft besitzt goldenes Haar. Zu diesem Haar ist sie durch Loki gekommen, welcher ihr einst ihre eigenen Haare gestohlen hatte und um einer Strafe zu entgehen nach Schwarzalbheim gereist ist,  um sich dort Haar aus echtem Gold von den Zwergen herstellen zu lassen. In diesem Zusammenhang wurden mehrere Geschenke gefertigt, unter ihnen Mjölnir, Gungnir und das Schiff Skidbladnir.

Das Goldhaar von Sif könnte im Zusammenhang mit der Erneuerung der Natur stehen und ihrer Aufgabe als Göttin der Vegetation. Die Natur und somit auch das Korn blühen jedes Jahr aufs Neue „golden“ auf und geben den Menschen Nahrung und sichern somit das Überleben des Winters.

Zum Tage des Ragnarök wird Thor mit der Midgardschlange, ebenfalls ein Kind Lokis, kämpfen und diese mit seinem Hammer erschlagen. Allerdings wird er neun Schritte danach selbst im Tode zu Boden fallen, da er an dem Gift der Schlange sterben wird.

Der Name des Donnergottes ist immer noch in unserer heutigen Gesellschaft verwoben. So gibt es unter anderem ein chemisches Element, Thorium was nach dem Donnergott benannt worden ist. Sein Name Donar hat wohl maßgeblich zum Wochentag Donnerstag beigetragen, welcher im englischen Thursday heißt.

 

 BALDER und NANNA

BalderBalder (an. Baldr, was soviel bedeutet wie „Herr“, andere Schreibweise ist Baldur) ist von schönem Anblick und somit werden ihm die Zuständigkeiten für Schönheit und Reinheit zugeordnet. Zudem ist er der Lichtgott der germanischen Völker gewesen. Weiterhin ist er der Gott der Sonne, des Guten und der Gerechtigkeit.

Seine Eltern sind Odin und Frigg. So ist er folgedessen auch Bruder von Hödur und Hermodur. Zusammen mit seiner Gattin Nanna hat Balder zwei Kinder namens Nepi und Forseti. Ihre Halle in der sie wohnen heißt  Breidablick, was im altnordischen „Breitglanz“ oder „Weitglanz“ bedeutet. In der Edda im Grimnismal wird darauf hingewiesen, dass jeglichem Frevel der Zutritt zur Halle verwehrt wird. Zudem ist sie wohl relativ leer,  dafür jedoch rein. Hieraus wird die entsprechende Zuständigkeit der Reinheit abgeleitet.

Balder besitzt zusammen mit Nanna das Schiff Hringhorni auf dem sie auch später bestattet werden, nachdem Balder von dem Pfeil seines Bruders Hödur getötet worden ist. Dieses Schiff ist so groß und schwer dass lediglich die Jötin oder Riesin Hyrrockin es in das Meer zu schieben vermochte.

NannaSeine Mutter Frigg lässt, nachdem Balder von seinem Tod geträumt hat, alle Pflanzen einen Eid ablegen, sie mögen ihn niemals verletzen. Einzig allein der Mistelzweig wird von ihr ausgelassen. Loki überredet bei einem Spiel den blinden Bruder Balders, Hödur, ihn mit einem Pfeil zu beschießen der aus einem Mistelzweig hergestellt ist. Balder stirbt darauf und wird zusammen mit seiner Gattin Nanna, welche aus Gram über seinen Tod ebenfalls gestorben ist, auf dem Schiff bestattet.

Balder wird jedoch nach dem Ragnarök aus dem Reich der Hel wieder zurückkehren und sich mit seinem Bruder Hödur versöhnen. Beide Brüder werden nach der Götterdämmerung in der neuen Welt herrschen.

Mythologisch gesehen könnte der Wechsel der Jahreszeiten mit Balder in Verbindung stehen. Da Balder der Gott der Sonne ist und diese nach der Sommersonnenwende Kraft verliert und sozusagen stirbt, kann man hier eine Verbindung sehen. So verschwanden auch mit dem Tode Balders die Eigenschaften Glück und Schönheit aus der Welt. Die Sonne gewinnt jedoch nach der Wintersonnenwende wieder an Kraft – die Tage werden wieder länger, was Balders Wiedergeburt darstellen könnte.

 

FREYA und FREY

FreyaFreya (was im altnordischen soviel bedeutet wie „Herrin“ oder „die Freie“) ist die Göttin der Fruchtbarkeit, des Frühlings, der Liebe, der Liebschaft und des Glücks. Sie ist Tochter der Skadi und des Meeresgottes Njörd und wird zu den Wanengottheiten gezählt. Als Gatte der Freya wird uns Óðr oder Odur überliefert, der sie jedoch verlassen hat und nach dessen Fortfahrens sie goldene Tränen geweint haben soll. Mit ihm hatte Frey die beiden Töchter Hnoss und Gersimi.

 Sie kommt nach dem großen Krieg als eine Art Geisel nach Asgard um dort zu leben. Folkwang (an. Folkvangar – „Volkshalle, Volkswiese“), in dem Saal Sessrumnir, welcher von einem blühenden Garten umgeben ist, wird als ihr Zuhause bezeichnet. Neben Walhalla ist dies einer der größten Säle. Hier in Sessrumnir sitzt die Hälfte der gefallenen Krieger die als Einherier nach Walhalla kommen. Freya ist die Anführerin der Walküren, Odins Kriegerinnen die die Toten vom Schlachtfeld holen.

Sie besitzt die Halskette Brisingamen welche ein wichtiger Bestandteil ihrer Magie ist und ihr einst von Loki gestohlen wurde. Heimdall sorgte jedoch dafür dass sie es wieder zurück erhalten hat. Weiterhin fährt sie einen von Waldkatzen gezogenen Wagen und besitzt ein Falkengewand (Loki bringt damit Idun von Jötunheim zurück). Begehrt von vielen teilt sie freizügig ihre Gunst mit den Männern.

FreyIhr Bruder Frey (an. für „Herr“; ahd. Fro; aisl. „Freyr“) besetzt den Männlichen Part der Fruchtbarkeit. Er wird auch als Gott der Ernte, der Natur  und des Wohlstandes betrachtet. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören Frieden, Frühling, die Zyklen der Natur und die sexuelle Ekstase. 

Seine Eltern sind Njörd und Nerthus. Somit ist auch er einer der Wanengötter. Nachdem er den Thron von Odin heimlich bestiegen hatte und das ganze Universum überschauen konnte, verliebte er sich in die Riesin Gerda, die später seine Gattin wurde.

Frey wurde liebeskrank und man schickte ihm seinen Jugendfreund Skirnir, welcher nach Jotunheim reisen sollte um für Frey um die Hand der Tochter des Riesen Gymir anzuhalten. Gerda wollte jedoch als Brautgeschenk keinen Zauberring, keine goldenen Äpfel von Idun sondern Freys Schwert, welches von selbst kämpfen konnte. Frey willigte ein und so verlor er sein Schwert. Dadurch dass er sein Schwert verloren hat wird Frey beim Ragnarök, vom Feuerriesen Surtr, dem Herrscher über Muspelheim, erschlagen und ist somit der erste der Göttern der stirbt.  Desweiteren sei erwähnt dass Frey Besitzer des Schiffes Skidbladnir ist, welches auch ein Geschenk der Zwerge gewesen ist. Ebenso gehört ihm der Eber Gulinborsti, der seinen Wagen zieht und in der Dunkelheit Feuerfunken versprüht.

BragiDie Namen Frey und Freya werden dem Wochentag Freitag (englisch Friday) zugeordnet, obwohl man eher annehmen kann es bezieht sich auf Freya, da sie eine sehr wichtige Göttin des germanisch-nordischen Pantheons ist.

 

BRAGI und IDUN

Bragi (an. Bragr, was soviel bedeutet wie „der Vornehmste“, „Fürst“ oder „Dichtkunst“) ist der Gott der Dichtkunst und der Schutzpatron der Skalden. Zu seinen Aufgabengebieten werden entsprechend der Gottheit Redekunst, Redegewandtheit und Rhetorik gezählt. Zusammen mit seinem Bruder Hermodur begrüßt Bragi die gefallenen Einherier die durch die Tore Walhalls kommen.

Idun (an. Iðunn, „die Erneuernde“, „die Verjüngende“) ist die Gattin von Bragi und die Tochter des Zwerges Ivaldi. Sie ist die Besitzerin der goldenen Äpfel die den Göttern ewige Jugend bis zum Ragnarök sichern. Da es zu Zeiten der Germanen keine der heutigen Äpfel gegeben hat könnten es Quitten gewesen sein. Die Götter alIdunterten einst nachdem Loki Idun aus Asgard hinaus lockte, um ihr neue Äpfel zu zeigen. Da wurde sie von den Riesen nach Jotunheim entführt, jedoch brachte Loki, unter Zuhilfenahme von Freyas Falkengewand, sie und ihre Äpfel in Form einer Nussgestalt wieder zurück nach Asgard. Hierbei findet der Riese Thjazi den Tod, welcher von seiner Tochter Skadi gerächt werden will.

Somit ist Idun die Göttin der Verjüngung, der Jugendlichkeit und der Unsterblichkeit. Jedoch sinkt sie am Tage als sich das Ragnarök ankündigt, am Fuße der Weltenesche Yggdrasil, in die Unterwelt hinab und Bragi folgt ihr.

 

LOKI und SIGYN

Loki ist der Gott des Feuers, des Erdbebens und zugleich der „Halunke“ unter den Göttern. Er ist der Sohn von dem Riesen Farbauti und der Göttin Nal, die auch als Laufey bekannt ist. Er hat zwei Geschwister, die Brüder Byleist und Belblindi. Obwohl Loki halb Riese ist wird er zu den Asen gezählt.

LokiZu Lokis Fähigkeiten zählt die Gestaltwandlung, so tritt er als Lachs, Adler, eine alte Frau, Fliege und Stute auf. Zur Stute verwandelte er sich um dem Riesen, der die Mauern von Asgard nach dem Krieg erbaut hat, zu überlisten. Die Asen hatten dem Baumeister versprochen ihm Freya zur Frau, Sonne und Mond zu geben, sofern er die Mauern innerhalb eines Winters erbauen könne. Als die Asen nun sahen dass er mit der Hilfe des Pferd Svadilfari die Mauern innerhalb des vereinbarten Zeitraumes bauen konnte, verwandelte sich Loki in eine Stute und lenkte so das Pferd ab. Der Riese schaffte es nun nicht seine Arbeit zu vollenden. Aus dieser Verbindung zwischen Svadilfari und Loki stammt Sleipnir, Odins achtbeiniges Pferd. Zudem ist er noch der Vater des Fenriswolfes und der Midgardschlange. Diese Geschöpfe stammen aus Lokis Verbindung mit Angrboda, die von den Göttern getötet wurde. Ebenso Hel stammt aus dieser Verbindung.

Die Gattin des Loki ist Sigyn (nordisch von sigr welches „Sieg“ bedeutet). Andere Namen von ihr lauten Sygun oder Sygni. Sie ist die Göttin der Treue, Loyalität, Ergebenheit und des Zusammenhaltes. Diese Zuständigkeitsbereiche ergeben sich aus der Tatsache dass Loki von Skadi an einen Felsen gefesselt und über ihm eine Giftschlange aufgehängt wurde. Der Speichel der Sigynnun von ihr herunter tropft fügt Loki unglaubliche Schmerzen zu. Sigyn fängt mit einer Schale diesen Speichel auf um ihn zu schützen, doch jedesmal, wenn sie diese leert, treffen die Tropfen Loki. Die Germanen glaubten daran dass, wenn Loki sich windet, die Erde bebt.

Mit Loki zusammen hat sie zwei Kinder, Narfi und Vali. Sobald Loki, diesem ihm auferlegten Schicksal mit dem Stein und der Schlange, entkommt wird das Ragnarök beginnen.  Loki und sein Erzrivale Heimdall werden sich bei der Götterdämmerung gegenseitig erschlagen.

Loki ist der Blutsbruder von Odin, wird jedoch von den meisten Asen als eine Art Feind oder geduldetes Übel betrachtet. So ist er listenreich und nutzt Intrigen um seine Interessen zu verwirklichen. Jedoch hilft er den Asen, wenn auch um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und ist somit verantwortlich dafür, dass Thor seinen Hammer Mjölnir erhält. Erst nachdem er durch eine List den blinden Hödur dazu gebracht hat seinen Bruder Balder zu töten, wird er von Odin verbannt.

 

SKADI und NJÖRD

Skadi & NjördSkadi (an. Skaði)ist die Göttin der Jagd, des Winters und die Schutzpatronin des Skifahrens. Sie ist eine Riesin, Berggöttin und Tochter des Thjazi, welcher von den Asen getötet wurde nachdem er die Idun entführt hatte. Idun ist die Gattin von Njörd (an. Njörðr), dem Wind und Meeresgott. Nachdem die Asen ihren Vater verbrannt hatten, der als Adler versuchte über die Mauern Asgards zu fliegen, wollte sie einen Gatten unter den Asen wählen. Sie hoffte dabei auf Baldur, jedoch durfte sie nur anhand der Füße wählen. Da Hjörd, welcher immer durch das seichte Wasser schlenderte, die schönsten Füße hatte, wurde dieser ihr Gatte. Frey und Freya sind ihre Kinder. Aus einer Verbindung mit Odin soll Norwegens erster König Säming stammen.

Diese beiden sehr unterschiedlichen Wesenheiten lebten zusammen jeweils neun Nächte in des anderen Wohnsitz. Skadi liebte die Berge und Njörd das Meer. So mochte Njörd die Berge in Thrymheim nicht und Skadi störte sich an der Küste am Geschrei der Möwen. Beide trennten sich und nach Ende dieser Verbindung ist Skadi wieder nach Thrymheim gegangen sein.

Njörd ist vor Skadi Gatte von Nerthus, einer Vanin gewesen. Er ist einer der Götter die nach dem Asen-Vanen Krieg als eine Art Geisel bei den Asen gelebt haben. Als Meeresgott ist Njörd der Schutzgott der Seefahrer und wird für frischen Wind angerufen.  Nach dem Ragnarök kehrt Njörd zu den Vanen zurück.

 

ULLER

UllerUller (an. Ullr, ae. Wuldor; ahd. Wulder; ) ist der Gott des Winters, der Jagd, des Zweikampfes,  des Skifahrens, der Weide und des Ackers. Zudem soll er die Krone des Richters getragen haben, weswegen man Eide auf seinen Ring geschworen hat. Uller wohnt in seiner Halle Ydalir, was im altnordischen „Eibental“ bedeutet. Die Eibe ist seit jeher eines der besten Hölzer, wenn nicht das Beste, um Bögen herzustellen.

Ullers Gattin ist, nachdem sie sich von Njörd getrennt hatte, Skadi gewesen. Was mythologisch, von seinem Zuständigkeitsbereich aus gesehen,  auch besser zu Uller passt. In den 1950er bist 1970er Jahren war bei Skifahrern ein Ullr Anhänger oder Abzeichen sehr beliebt.

 

WIDAR und SNOTRA

WidarWidar (an. Víðarr; ahd. Vidar) ist der Gott der Natur und des Waldes, aber auch ein Gott der Rache und wird zudem als schweigsamer unter den Asen benannt. Zudem wurde er auch von Seglern und Seefahrern angerufen, weil er auch als Gott der Ruhe und es Sturms betrachtet wird. Er ist der Sohn von Odin und der Eis- oder Reifriesin Gridr und sein Halbbruder ist Vali.

Widar und Snotra bilden zusammen ein Götterpaar welche in der Himmelsburg oder im Götterpalast „Landvidi“ wohnen. Übersetzt heißt Landvidi „weites Land“. Im Grimnismal wird beschrieben Landvidi sei mit hohem Gras und Sträuchern bewachsen, jedoch kann man auch diese Darstellung fortführen und seinen Palast als eine grüne Halle betrachten. So findet sich in mancher Literatur daher der Hinweis auf einen Blätterpalast.

Snotra ist in der nordischen Mythologie die Göttin der Klugheit, der Tugend und der Sittsamkeit. Sie steht für die Einhaltung dieser Aspekte und somit auch für Selbstdisziplin. Die kluge und zierliche Göttin soll alle Jünglinge und Mädchen beschützen, sofern sie sich tugendhaft verhalten.

Widar näht sich den „dicksten Schuh“, den er aus Lederstreifen, die die Menschen wegwerfen, herstellt. Diesen Schuh wird er zur Götterdämmerung tragen und seinen Vater Odin rächen, nachdem dieser von dem Fenriswolf getötet wurde. Er wird dem Wolf den Schuh in den Unterkiefer treten und den Rachen des Wolfes auseinander reißen. Man zählt ihn zu den Überlebenden des Ragnarök.

 

HEIMDALL und VAR

HeimdallHeimdall (an. Heimdallr) ist der Todfeind Lokis und wird als Schutzgott allen Lebens, Lichtgott und als Himmelswächter betrachtet. Er ist der Wächter der Regenbogenbrücke Bifröst und wacht hier über die Asen. Heimdalls Vater ist Odin und er hat neun Mütter (Angeyja, Atla, Eistla, Eyrgjafa, Gjalp, Greip, Iarnsaxe, Imd und Ulfrun), welche die Töchter des Meeresriesen Ägir sind. Die Widder betrachtet Heimdall als heilig.

Zusammen mit seiner Gattin Var, die Göttin der Eide und Verpflichtungen die zwischen den Menschen geschlossen werden, wohnt er in  Himinbjörg (aisl. für Himmelsburg).  Als weitere Gattin von Heimdall findet sich in der Literatur Modiv. Die Hinweise auf Modiv stammen aus der Rigsthula (Rígsmál). Dieser Quelle zufolge ist Heimdall zusammen mit Modiv der Vater von Jarl (Fürst), Karl (Bauer) und Thrall (Knecht) und somit ist er Stammesvater der drei Stände und Vater der Menschen. Tacitus hat sich bereits auf diese Begebenheit bezogen.

Sobald man die Brücke Bifröst überquert wird man ihm und seinen goldenen Zähnen als erstes Begegnen. Angeblich geht das Sprichwort „Morgenstund‘ hat Gold im Mund“ auf Heimdall zurück.

Er braucht weniger Schlaf wie ein Vogel und kann bei Tag und Nacht gleichgut sehen. Dies ist ihm eine Hilfe während er die Brücke Bifröst bewacht. Sobald die Riesen zum Ragnarök sich der Brücke nähern, wird er das Gjallarhorn blasen und somit die Götterdämmerung einläuten. Der Ton des Hornes ist der Waffenruf für die Asen und Einherier, er wird die Weltenesche selbst erzittern lassen und in allen Ritzen der neuen Welten zu hören sein.  Auf seinem Pferd „Gulltopp“ wird Heimdall dann in die Schlacht reiten.

In dieser Schlacht wird Heimdall sich mit seinem Erz –oder Todfeind Loki duellieren und diese beiden werden sich gegenseitig töten.

 

HEL

HelSie ist die Todesgöttin oder die Göttin des Todes. Hel (an. Hel; ae. Hell; ahd. Hellea; got. Halja) ist das Kind von Loki und der Riesin Angrboda. Obwohl man Hel nicht zu den Asen zählt wurde sie von Odin aus Asgard verbannt und gründete ihr eigenes Reich, das Totenreich in Helheim.

Nach Helheim kommen all die, die an Krankheit oder Altersschwäche verstorben sind. In ihr Reich führt die Brücke Gjallarbrú die über den Fluss Gjoll führt. Die Brücke selbst soll mit Gold bedeckt sein.

Selbst die Götter sind nicht davor gefeit nach Helheim zu kommen, wie man am Tode Hödurs, durch den von Loki gelenkten Pfeil, sieht.  In Helheim liegt das Schiff Naglfar, welches aus den Finger- und Fußnägeln der Toten gebaut wird und auf dem die Armeen der Toten zum Ragnarök in die Schlacht segeln.

Hel hat einen Hund namens Garm, welcher den Eingang zur Unterwelt am Fluss Gjoll bewacht. Odin begegnet diesem riesigen, vieräugigen Hund der Totengöttin auf seinem Ritt nach Nilfheim. Garm soll der Bruder der Wölfe Gati, welcher den Mond verfolgt und Skalli, welcher die Sonne verfolgt, sein. Auch wenn Garm in dieser Überlieferung Managarm (aisl. Mánagarmr) genannt wird, so soll er auch ein Kind der Riesin Angrboda sein.

Das Wort Hölle geht auf das germanische Wort Hel zurück. Der Begriff der Hölle wurde jedoch in der Zeit der Christianisierung an eine schlimme und qualvolle Unterwelt  angepasst.

 

Literaturquellenauszug:

Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie & Götter und Kulte der Germanen;
Jacob Grimm: Deutsche Mythologie;
Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte & Die geistige Welt der Germanen & Altnordisches Etymologisches Wörterbuch;
Brian Branston: Götter und Helden der Wikinger;
Gardenstone: Germanischer Götterglaube;
Knaurs: Lexikon der Mythologie;
Dan Lindholm: Götterschicksal – Menschwerden;
Felix und Therese Dahn: Germanische Götter und Heldensagen;
Hanns Bächtold-Stäubli: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens; und einige mehr.

 

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